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Was tun für eine gute Unternehmenskultur im Gastgewerbe?

"Wer die Hitze nicht verträgt, hat in der Küche nichts verloren" lautet ein bekanntes Sprichwort in der Gastronomie. Sven-Olaf Gerdt, Geschäftsführer unseres Partners Meeressterne, sieht das anders und zeigt, wie es besser geht.

Das Image des Gastgewerbes präsentiert sich durchwachsen: Schichtarbeit, wenn andere frei haben, ein rauer Umgangston, stark hierarchische Strukturen. Die Folgen dieser Außenwirkung sind laut dem Branchenbericht der DEHOGA bereits deutlich im Gastgewerbe spürbar, denn knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen bezeichneten die Personalgewinnung als das gravierendste Problemfeld ihrer Arbeit. Wie können Hotellerie und Gastronomie dem wachsenden Fachkräftemangel begegnen?

„Als Arbeitgeber müssen wir neue Wege ausprobieren, die unsere Attraktivität als Unternehmen stärken und die Zufriedenheit und Gesundheit im Betrieb fördern” sagt Sven-Olaf Gerdt. Als Geschäftsführer der Meeressterne GmbH muss er regelmäßig kreativ werden, um gutes Personal für seine Feriendomizile auf Usedom anzuwerben. So vermittelt er beispielsweise Angestellte über die Wintermonate in befreundete Skihotels in Österreich. Als traditionelles people business müssen sich Betriebe im Gastgewerbe außerdem besonders für eine positive Unternehmenskultur einsetzen. Denn zufriedene Mitarbeitende sind der erste Schritt auf dem Weg zu einer starken Employer Brand, die wiederum neue Arbeitssuchende auf das Unternehmen aufmerksam macht.

Mitarbeitende in schwierigen Situationen unterstützen

Besonders unangenehme Themen wie Diskriminierung, kulturelle Konflikte oder sexuelle Belästigung können die Unternehmenskultur im Gastgewerbe stark belasten. Vor allem in der Gastronomie arbeitende Frauen leiden unter alkoholisierten Gästen und den Gruppendynamiken in reinen Männerrunden. Zusätzlich sind die Führungsstrukturen in vielen Betrieben nach wie vor männlich dominiert, oft autoritär geprägt und selten für den Umgang mit Diskriminierung oder Belästigung sensibilisiert. Eine amerikanische Umfrage ergab beispielsweise, dass bereits 80 Prozent der Frauen in der Gastronomie sexuell belästigt wurden – sowie übrigens 49 Prozent der Männer ebenfalls.

Für Arbeitgebende im Gastgewerbe sind diese Zahlen häufig erschreckend: Niemand möchte seine Angestellten solchen Erfahrungen aussetzen. Aber was können Hotels oder Restaurants tun, um ihr Personal zu schützen? Eine Wirtin aus Kalifornien fand auf diese Frage eine Antwort und führte einen einfachen Farbencode ein. Gelb steht für einen unangenehmen Blick von einem Gast oder eine unwohle Situation, Orange für einen anzüglichen aber uneindeutigen Kommentar wie “Ich mag dein T-Shirt” und Rot für eine eindeutig sexuelle Bemerkung oder eine Berührung. Fühlt sich eine Bedienung an einem Tisch unwohl, kann sie einfach mit den Worten “Gelb an Tisch drei, übernimmst du bitte?” um Hilfe bitten. Der Code Rot führt dazu, dass ein Gast umgehend aufgefordert wird, das Restaurant zu verlassen.

Bei dem Farbcode geht es darum, Mitarbeitende schnellstmöglich aus unangenehmen Situation zu befreien und ihnen Solidarität zu signalisieren. Das ist wichtig, damit sich Betroffene nicht weiter erklären oder rechtfertigen müssen. Ein weiteres wichtiges Zeichen können Unternehmen außerdem setzen, in dem sie Managementpositionen divers besetzen.

Auch innerhalb der Kollegschaft kommt es unter Stress schnell zu unangenehmen Situationen, insbesondere wenn stark ausgeprägte Hierarchiestrukturen oder kulturelle Unterschiede hinzukommen. Autoritäre Führung kann hier dazu führen, dass Betroffene von Mobbing, Diskriminierung oder Belästigung sich nicht trauen, vor ihren Vorgesetzten offen von ihren Erfahrungen zu berichten. Im Gastgewerbe, wo Gewerkschaften wenig präsent und eine rein männliche Führungsstruktur verbreitet sind, wird dieses Problem noch weiter verstärkt.

Interpersonellen Konflikten und Spannungen im Team vorbeugen

Solange Roboterköche nur vereinzelt in den Restaurants dieser Welt kochen, lässt es sich nicht vermeiden: Zu einer guten Unternehmenskultur im Gastgewerbe gehört vor allem gute Teamarbeit. Es ist wichtig, regelmäßig den Dialog mit allen Mitarbeitenden zu suchen und Krisenherde frühzeitig zu identifizieren. Eine offene Feedbackkultur bedeutet, nicht nur in Halbjahresgesprächen nach den Eindrücken der Angestellten zu fragen: “Teil einer jeden guten Vertrauenskultur ist es, die Möglichkeit zu bieten im Zweifel auch anonym Bedenken mitteilen zu können. So können wir zielgerichteter an der Verbesserung unserer Zusammenarbeit und entsprechend an unseren Services arbeiten”, findet Sven-Olaf Gerdt von Meeressterne.

Anonymes Feedback kann dabei helfen, über unangenehme Erfahrungen jeder Art am Arbeitsplatz zu sprechen und alle Mitarbeitenden einzubinden. Nur wenn Unternehmen verstehen, was ihre Mitarbeitenden beschäftigt, können Unzufriedenheiten frühzeitig erkannt und behoben werden. Wer sich bei diesem wichtigen Thema nicht auf den klassischen Kummerkasten verlassen will, kann auf digitale Tools wie Lytt zurückgreifen. Gerade im Gastgewerbe können digitale Lösungen sinnvoll sein, um eine bessere Unternehmenskultur aufzubauen: Betroffene können sich ermutigt fühlen, trotz starken Hierarchiegefällen ihre Probleme anzusprechen. So werden Konflikte frühzeitig aufgedeckt und Teams arbeiten harmonischer zusammen. „Mit der digitalen Lösung von Lytt können wir unsere Mitarbeitenden besser einbinden”, sagt der Geschäftsführer der Usedomer Hotellerie, “Unabhängig davon, ob sie Hilfe brauchen oder einen Verbesserungsvorschlag haben. Das fördert nicht zur das Zugehörigkeitsgefühl sondern auch die Wertschätzung des Einzelnen.“

Laura Jentsch

Laura Jentsch

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