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Stellenanzeigen für Frauen optimieren

Die politische Diskussion über die Einführung einer Frauenquote setzt Unternehmen zunehmend unter Druck, im Recruiting auf Diversität zu achten. Wie können Unternehmen ihren Talentpool vergrößern und mehr Bewerberinnen erreichen?

Neben dem wachsenden politischen Druck häufen sich Studien mit dem Ergebnis, dass gemischte Teams innovativer und erfolgreicher sind als reine Männerrunden. In vielen Branchen ist es aber gar nicht so einfach, genug Bewerberinnen für eine offene Stelle zu finden. Das kann verschiedene Gründe haben, aber oft passieren die ersten unabsichtlichen Fehler bereits beim Formulieren der Stellenanzeige.

Darum schrecken Frauen davor zurück, sich zu bewerben

Männliche Interessenten bewerben sich auf eine Stellenanzeige, sobald sie 60 Prozent der genannten Anforderungen erfüllen – Frauen häufig erst, wenn sie jede einzelne der Voraussetzungen mitbringen. Neun von zehn Frauen sagen aber gleichzeitig, dass sie sich den Job durchaus zutrauen würden. Sie glauben nur, dass Unternehmen Bewerbungen ohnehin aussortieren, wenn gewisse Anforderungen aus der Stellenausschreibung nicht erfüllt werden. In der allgemeinen Wahrnehmung von Bewerbungsprozessen, Jobbeschreibungen und Anforderungsprofilen scheint also das eigentliche Problem zu liegen.

Gleichzeitig können Unternehmen hier am leichtesten ansetzen: 

Machen Sie deutlich, welche Voraussetzungen ein*e Kandidat*in unbedingt mitbringen sollte und welche für Sie eher optional sind. Ermutigen Sie gezielt Frauen, indem Sie auf ihre frauen- und familienfreundliche Personalpolitik hinweisen. Denn während Männer laut einer Studie in einer Stellenanzeige länger beim Unternehmensprofil verharren, konzentrieren Frauen sich mehr auf die Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance oder Arbeitszeitmodelle, wie etwa Job-Sharing oder Führen in Teilzeit.

Stellenanzeigen ansprechender für Frauen formulieren

Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) müssen Jobausschreibungen geschlechtsneutral formuliert sein. Allerdings gibt es einige Stellschrauben, mit denen Unternehmen im gesetzlichen Rahmen für Frauen ansprechendere Stellenanzeigen verfassen können.

Beispielsweise werden gewisse Attribute in der allgemeinen Wahrnehmung eher Männern zugeordnet und andere eher Frauen. Wieder andere gelten als geschlechtsneutral. Beispiele für männlich konnotierte Begriffe sind unter anderem Durchsetzungsvermögen, analytisches Denken oder entscheidungsfreudig. Bewerberinnen hingegen fühlen sich bei Merkmalen wie schnelle Auffassungsgabe, Teamfähigkeit oder Selbstständigkeit angesprochen. Während Frauen und Männer gleichermaßen davon ausgehen, dass mehr Männer in einem Unternehmen arbeiten, wenn dessen Inserate maskulin formuliert wurden, lassen sich Frauen davon zusätzlich von einer Bewerbung abschrecken. Männer hingegen bewerben sich auf alle Arten von Stellenanzeigen, unabhängig von den gewählten Formulierungen.

Statt im Anforderungsprofil auf Eigenschaften einzugehen, sollten Unternehmen eher gewünschte Verhaltensweisen beschreiben: Aus  „ein*e erfolgreiche*r Kandidat*in besitzt ein hohes Maß an Kreativität“ wird „ein*e erfolgreiche*r Kandidat*in ist in der Lage, originelle Ideen und Lösungen für besondere Probleme zu entwickeln“. Hier finden Sie eine Tabelle mit Beispielen von Eigenschaften, die auf Frauen abschreckend wirken könnten und geeignetere Alternativen.

Als Aushängeschild einer Stellenanzeige sollten Unternehmen der Jobbezeichnung besondere Aufmerksamkeit schenken. Dabei unterscheidet man gewöhnlich vier Möglichkeiten:

Die männliche und weibliche Form werden genannt: Backend Entwickler oder Entwicklerin

Eine geschlechtsneutrale Schreibweise wird verwendet: Ingenieur*in, Ingenieur_in, IngenieurIn oder Ingenieur/in

Der Zusatz (m/w/d) drückt aus, dass alle Bewerbungen willkommen sind

Neutrale Formulierungen ersetzen geschlechtszuweisende Jobtitel: Fachkraft ersetzt Fachmann, der Geschäftsführer wird zur Geschäftsführung

Für eine diskriminierungsfreie Stellenbezeichnung empfiehlt sich hierbei vor allem Variante 4, wobei viel Hilfestellung für das Finden von neutralen Synonymen zur Verfügung steht. Bei Möglichkeit 1 und 2 dagegen besteht die Gefahr, trans- und intergeschlechtliche Bewerber*innen auszuschließen (einzig Ingenieur*in und Ingenieur_in sind hier vollständig inklusive Varianten) und Nummer 3 transportiert unter Umständen immer noch geschlechtliche Vorstellungen, beispielsweise bei der Jobbezeichnung Sekretärin (w/m/d).

Übrigens: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Achten Sie deswegen auch auf die Bebilderung Ihrer Stellenanzeigen. Gerade Fotos von Frauen als Teil des Teams oder in gleichberechtigten Arbeitssituationen können in männlich dominierten Branchen eine verstärkte Ansprache unterstützen. Aber Vorsicht bei Bildern aus Fotodatenbanken, bleiben Sie lieber authentisch.

Fünf Wettbewerbsvorteile von Unternehmen, die Stellenanzeigen für Frauen optimieren 

Es ist also nicht kompliziert, mit Stellenausschreibungen gezielt Frauen anzusprechen und für sich zu gewinnen. Diese fünf entscheidenden Vorteile im Kampf um Fachkräfte können Unternehmen auf diese Art und Weise für sich nutzen:

1
Passgenauere Kandidat*innen: Indem Sie die Anzahl an Bewerbungen um ein Vielfaches erhöhen, vergrößern Sie auch die Chance auf den perfekten Treffer.

2
Mehr Innovationskraft, neue Sichtweisen und Kreativität: Vielfältige Perspektiven führen zu kreativeren Lösungsansätzen.

3
Erschließen weiblicher Märkte: 70 Prozent der Konsumausgaben weltweit werden von Frauen getätigt. Weibliche Fachkräfte helfen Ihnen, diese wichtige Zielgruppe zu verstehen.

4
Markenbildung: Ein familien- und frauenfreundliches Image formt nicht nur Ihre Employer Brand, sondern stärkt auch Ihre Werte in der öffentlichen Wahrnehmung.

5
Team Performance von gemischten Teams: Für ein maximal effektives Team ist nicht die Intelligenz der einzelnen Mitglieder ausschlaggebend, sondern wie offen und unabhängig von Hierarchie, Expertise, Geschlecht usw. alle Mitglieder das Gefühl haben, ihre Meinung und Ideen frei äußern zu können.

Frauenförderung und die Öffnung von männerdominierten Berufsbildern für alle Geschlechter beginnt also nicht erst innerhalb des Unternehmens, sondern bereits mit optimal formulierten Stellenanzeigen.

Laura Jentsch

Laura Jentsch

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