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Lehmschicht mittleres Management: Warum Betriebsräte gute Töpfer sein sollten

In vielen Unternehmen kommt der Informationsfluss zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitenden irgendwann zum erliegen. Was können Betriebsräte gegen diese Lehmschicht tun?

Das untere und mittlere Management steht selten direkt mit Kunden in Kontakt, arbeitet hinter den Kulissen in der Verwaltung und hat meist auch keine größeren Einflussmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens – in den letzten Jahren hat sich dafür der Begriff Lehmschicht etabliert. Als Leidtragende sind dann besonders Mitarbeitende aus diesen Stufen auf die Unterstützung des Betriebsrates angewiesen.

Führung wird zur Schwerstarbeit

Eine Vielzahl von festen Vorgaben und eingefahrenen Prozessen erschweren die Arbeit von Führungskräften in Unternehmen mit Lehmschicht. Veränderungen durchzusetzen braucht Geduld: Auf dem Weg durch die Lehmschicht verlaufen sie im Sande oder verlieren an Geschwindigkeit. Die aktive Lenkung des Unternehmens gestaltet sich zunehmend komplizierter.

Doch auch die Mitarbeitenden leiden unter der Lehmschicht. Ihre Vorschläge und Kritik finden kein Gehör und bleiben auf dem Weg nach oben stecken. Mitarbeitende verlieren so schnell das Vertrauen in ihre Vorgesetzten und das Unternehmen: Sie fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt. Ein Teufelskreis, denn so wächst der Frust und Veränderungen werden noch skeptischer bewertet.

Erhöhtes Risiko für Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung

Eine weitere schwerwiegende Folge der Lehmschicht darf nicht unterschätzt werden: Wenn Vorfallmeldungen von Diskriminierung, sexueller Belästigung oder Mobbing am Arbeitsplatz ebenfalls sehr lange ohne angemessene Reaktion oder Maßnahmen liegen bleiben, leiden die Betroffenen enorm unter der Situation. Je geringer das Vertrauen in die zuständige Ansprechperson und die zufriedenstellende Bearbeitung ihres Vorfalls, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene einen solchen Vorfall gar nicht erst melden.

Neben den individuellen emotionalen Folgen für die Betroffenen selbst leidet auch das Unternehmen unter einer hohen Dunkelziffer solcher Fälle. Betroffene sind etwa doppelt so häufig krank und wechseln knapp mit zweimal so hoher Wahrscheinlichkeit ihren Arbeitgeber. Darüber hinaus nimmt das Arbeitsklima Schaden und die Produktivität anderer Mitarbeitender wird negativ beeinflusst. Zuletzt ist die Gefahr einer Wiederholung des Vorfalls wesentlich größer, wenn er ungelöst bleibt.

Erhöhtes Risiko für Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung

Die Lehmschicht zu formen und zu gestalten erweist sich also als essentielle und zugleich komplexe Aufgabe. Führungskräfte müssen sicherstellen, dass Anliegen der Mitarbeitenden effizient weitergetragen und bearbeitet werden können. Gleichzeitig muss eine interne Kommunikationsstrategie erarbeitet werden, die den Schwierigkeiten einer Lehmschicht gewachsen ist, sodass keine Informationen der Geschäftsführung für die gesamte Belegschaft mehr verloren gehen.

Der Betriebsrat sollte sich der Schwierigkeiten bewusst sein, die eine Lehmschicht für die Mitarbeitenden mit sich bringt. In Unternehmen dieser Größe erweist es sich als besonders wertvoll, bereits einige Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. In vielen Bereichen, wie der Dienst- und Schichtplanung, besteht beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Mobbing. Etwa kann es zu Spannung führen, wenn die Wünsche bestimmter Angestellter ständig missachtet werden. Hier sollte sich der Betriebsrat für Schulungen einsetzen, um die Belegschaft für diese Themen zu sensibilisieren.

Um Betroffene zu ermutigen, über unangenehme Erfahrungen am Arbeitsplatz zu berichten und Bedenken anzusprechen, können Betriebsräte sich außerdem für die zusätzliche Einführung von digitalen Lösungen stark machen. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen trauen sich bisher nicht, solche Vorfälle offen zu kommunizieren – oft aus Angst vor Benachteiligung. Anonymisierte Reportingtools können Vertrauen schaffen, Hemmungen abbauen und damit langfristig zu einer offeneren Unternehmenskultur beitragen.

Gute Töpferarbeit kann in Unternehmen mit einer dicken Lehmschicht also entscheidend dazu beitragen, dass alle Mitarbeitenden sich wohlfühlen, neuen Prozesse schneller etabliert werden können und die Kommunikation zuverlässiger und reibungsloser verläuft. Führungskräfte und der Betriebsrat sollten dabei Hand in Hand gehen, um das Problem umfassend zu bekämpfen und allen Interessen gerecht zu werden. Ganz unabhängig davon ist Töpfern durchaus zu empfehlen: Wie viele Handwerke wirkt es nachweislich meditativ und wäre sicherlich eine nette Abwechslung im stressigen Betriebsalltag.

Henning Bittscheidt

Henning Bittscheidt

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